Was bedeutet der Brexit für die EU-Wirtschaft?

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Als EU-Wirtschaft wird die Summe der Volkswirtschaften aller EU-Mitgliedsländer bezeichnet. Unter den weltweiten Volkswirtschaften belegt die EU-Wirtschaft neben den USA und der Volksrepublik China einen der drei ersten Plätze. Die Platzierung selbst variiert temporär. Innerhalb der Europäischen Union ist Großbritannien beziehungsweise England nach Deutschland die zweitgrößte, in dem Sinne zweitstärkste Volkswirtschaft.

Mit rund 55 Mio. Einwohnern rangiert England innerhalb der EU an dritter Stelle; und London ist trotz Frankfurt am Main nicht nur innerhalb der EU, sondern weltweit ein führender, wenn nicht der führende Finanzstandort. Das sind einige der Indikatoren, mit denen die Europäische Union als Ergebnis des Brexit fertig werden muss. Den verbleibenden 27 Mitgliedsländern und so auch Deutschland stellt sich die Frage nach den Folgen für den Einzelnen und für die Restgemeinschaft.

EU-Haushalt muss ausgeglichen werden und bleiben

Eine wichtige Einnahmequelle für den EU-Haushalt sind die Zahlungen jedes einzelnen EU-Mitgliedslandes. UK, das United Kingdom hat als eines der wirtschaftsstärksten EU-Mitglieder jährlich rund 11 Mrd. zum EU-Haushalt beigesteuert. Diese Einnahme, unabhängig von einer variierenden Höhe nach oben oder unten, entfällt mit dem Brexit ersatzlos. Da sich die Ausgabenseite wegen des Brexit und danach nicht adäquat reduziert, muss diese Mindereinnahme ausgeglichen werden.

Das ist nicht nur durch Minderausgaben zu erreichen, sondern ganz überwiegend durch anteilige Mehreinnahmen aus den Zahlungen aller anderen EU-Mitgliedsstaaten. Die werden alles daran setzen, den EU-Haushalt so zu gestalten, dass sie möglichst wenig mehrbezahlen müssen. Ein Tauziehen um den EU-Haushalt der künftigen Jahre ist unvermeidbar.

EU und UN-Sicherheitsrat

Mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich stellt die Europäische Union bislang zwei von fünf ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, dem UN-Sicherheitsrat. Nach dem Brexit bleibt Frankreich als einziger Vertreter übrig. Dementsprechend reduziert sich der, wenn auch indirekte Einfluss der EU auf das gesamte Geschehen in diesem wichtigen Organ der Vereinten Nationen, kurz UN oder UNO.

Finanzmetropole London verliert an Bedeutung

Die EU-Wirtschaft wird in Bezug auf den sogenannten „Finanzplatz London“ stark geschwächt. Sowohl EU-Behörden als auch private Finanzdienstleister werden mit buchstäblich Tausenden Beschäftigten die britische Hauptstadt verlassen und sich europaweit verteilen. Als einer der Profiteure gilt der EZB-Standort Frankfurt am Main; zu den weiteren Favoriten gehören Paris, Madrid oder auch Dublin.

Bisherige Sonderrolle von UK in der Europäischen Union entfällt

Seit jeher hat das UK seine Sonderrolle mit einer Vielzahl und Vielfalt an eigenen Vorteilen innerhalb der EU betont. Das sorgte für Neid, Missgunst und für ein inhomogenes Verhalten bei allen anderen Mitgliedsländern. Diese Situation wird sich schlagartig ändern mit dem Ergebnis einer deutlich stärken Einheit unter den verbleibenden 27 EU-Mitgliedern. „Der Störenfried UK mit seiner dauernden Extrawurst ist weg“.

Befürchteter Dominoeffekt bleibt bis auf Weiteres latent

Die politisch größte Befürchtung der Europäischen Union ist eine Signalwirkung auf andere austrittswillige Länder, die vom Brexit ausgeht. Das Motto lautet: Was UK kann, das können wir auch. Über ein vergleichbares Referendum wie das zum Brexit wird in Frankreich, in den Niederlanden und neuerdings auch in Italien laut nachgedacht. Hiergründe sind die jeweilige politische Situation mit den nationalen populistischen Parteien sowie eine teilweise prekäre Finanzlage wie in Italien.

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